CJC-1295
Wachstumshormona.k.a. DAC: CJC-1295 DAC · no-DAC: Mod GRF 1-29
GHRH-Analogon
CJC-1295 ist ein synthetisches Analogon des Wachstumshormon-Freisetzungshormons (GHRH), des natürlichen Signals, das.
§Dosierung auf einen Blick
| Wofür | Dosis | Häufigkeit | Wie | Dauer |
|---|---|---|---|---|
| Referenzdaten aus Tiermodellen | 2 mcg | Täglich | SubkutanDirekt unter die Haut ins Fettgewebe gespritzt. | — |
Näherungswerte aus der Forschung — vor der Dosierung überprüfen.
§01Zusammenfassung
CJC-1295 ist ein synthetisches Analogon des Wachstumshormon-Freisetzungshormons (GHRH), des natürlichen Signals, das die Hypophyse zur Ausschüttung von Wachstumshormon (GH) veranlasst. Im Gegensatz zum nativen GHRH, das innerhalb von Minuten abgebaut wird, ist CJC-1295 so konstruiert, dass es kovalent an Albumin bindet – das häufigste Protein im Blut – was ihm eine Halbwertszeit von ca. 5,8 bis 8,1 Tagen beim Menschen verleiht1,3. Das bedeutet, dass eine einzige Injektion den GH-Spiegel für fast eine Woche erhöht halten und den Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor 1 (IGF-1) bis zu 11 Tage lang erhöhen kann1.
In klinischen Studien mit gesunden Erwachsenen hat CJC-1295 dosisabhängige Anstiege der GH-Konzentration um das 2- bis 10-Fache über den Ausgangswert hervorgerufen1 sowie IGF-1-Anstiege von ca. 45 % nach einer einzigen Injektion3. Bemerkenswert ist, dass das Präparat das natürliche pulsatile Muster der GH-Freisetzung offenbar bewahrt, anstatt es durch ein flaches, kontinuierliches Signal zu ersetzen3,11. Das Forschungsinteresse umfasst gesundes Altern, Körperzusammensetzung und HIV-assoziierte Stoffwechselveränderungen2, wobei die Evidenzbasis weiter wächst. CJC-1295 ist gemäß WADA-Regularien als verbotene leistungssteigernde Substanz eingestuft14 und ist von der FDA für keine therapeutische Indikation zugelassen.
Dies ist die laienverständliche Zusammenfassung. Mechanismus, Dosierung, Evidenzbasis und die veröffentlichte Literatur finden sich in den Abschnitten unten — jede Aussage ist mit ihrer Quelle verknüpft.
§02Im Detail
CJC-1295 ist ein synthetisches Analogon des humanen Wachstumshormon-Freisetzungshormons (hGRF[1-29]) mit 29 Aminosäuren, das vier Aminosäuresubstitutionen enthält, die zur Steigerung der proteolytischen Stabilität und zur Einführung einer reaktiven chemischen Ankergruppe für die In-vivo-Albumin-Konjugation ausgelegt sind6. Die Substitutionen umfassen den Ersatz anfälliger Reste, um Resistenz gegen Dipeptidylpeptidase-IV (DPP-IV) zu verleihen – das Enzym, das primär für die rasche N-terminale Spaltung des nativen GHRH verantwortlich ist6. Entscheidend ist, dass CJC-1295 einen C-terminalen N-epsilon-3-Maleimidopropionamid-Lysin-Rest enthält – eine Maleimidogruppe, die nach subkutaner Injektion spontan und kovalent mit dem freien Thiol von Cys34 des zirkulierenden Serumalbumins reagiert6,11. Mindestens 90 % des verabreichten CJC-1295 unterliegen in vivo dieser kovalenten Albumin-Konjugation, wobei Spurenmengen auch an Fibrinogen und IgG binden11. Diese Drug-Affinity-Complex-(DAC-)Technologie transformiert ein ansonsten kurzlebiges Peptid in eine langzirkulierende, albumin-gebundene Spezies.
Die pharmakokinetische Folge der Albumin-Konjugation ist eine Plasma-Halbwertszeit von ca. 5,8–8,1 Tagen beim Menschen1, verglichen mit Minuten für unmodifiziertes GHRH. Albumin-gebundenes CJC-1295 ist ab 15 Minuten bis mindestens 24 Stunden nach der Injektion nachweisbar, wobei der Western Blot die konjugierte Form im Kreislauf bestätigt6. Die verlängerte Halbwertszeit ermöglicht eine anhaltende Rezeptorbesetzung am GHRH-Rezeptor (GHRHR) auf den Somatotrophen des Hypophysenvorderlappens.
CJC-1295 aktiviert den GHRHR – einen Gs-Protein-gekoppelten Rezeptor – und stimuliert die intrazelluläre cAMP-Akkumulation sowie die nachgelagerte Aktivierung der Proteinkinase A, die sowohl die GH-Gentranskription als auch die pulsatile GH-Sekretion antreibt6. Bemerkenswert ist, dass trotz kontinuierlicher GHRH-Rezeptorstimulation durch das langwirksame Molekül das normale pulsatile Sekretionsmuster der Somatotrophen erhalten bleibt; CJC-1295 erhöht primär die interpulsatilen GH-Talspiegel, ohne Pulsfrequenz oder -amplitude zu verändern3,11. Diese Beobachtung legt nahe, dass der hypothalamische, durch Somatostatin regulierte Gating-Mechanismus der GH-Pulsgenerierung während der CJC-1295-Exposition intakt bleibt und dass interpulsatile GH-Talspiegel – und nicht pulsatile Parameter – ein wesentlicher Treiber der nachgelagerten IGF-1-Produktion sein könnten3.
Erhöhtes GH stimuliert die hepatische IGF-1-Synthese und -Sekretion und erzeugt IGF-1-Anstiege von 45–200 % je nach Dosis und Messzeitpunkt1,3. IGF-1 vermittelt seinerseits anabole Effekte auf Muskel, Knochen und Fettgewebe über die IGF-1-Rezeptor-(IGF1R-)Signalgebung. Proteomische Analysen des Serums nach CJC-1295-Gabe haben nachgelagerte Veränderungen einschließlich verminderter Apolipoprotein-A1- und Transthyretin-Isoformen sowie erhöhter Beta-Hämoglobin- und C-terminaler Albuminfragmente detektiert, was auf breite systemische Stoffwechseleffekte einer anhaltenden Aktivierung der GH/IGF-1-Achse hindeutet7. In Tiermodellen stimulierte CJC-1295 zudem die Somatotrophen-Zellproliferation, belegt durch erhöhte hypophysäre GH-mRNA und durch Immunhistochemie bestätigt4, was darauf hinweist, dass eine chronische GHRHR-Stimulation trophische Effekte auf die Hypophyse selbst haben kann.
§04Evidenz & Wirksamkeit
CJC-1295 hat in pharmakodynamischen Humanstudien eine konsistente, dosisabhängige Aktivierung der GH/IGF-1-Achse gezeigt. Eine einmalige subkutane Injektion führte zu GH-Anstiegen um das 2- bis 10-Fache über den Ausgangswert, die mindestens 6 Tage anhielten, sowie zu IGF-1-Anstiegen um das 1,5- bis 3-Fache, die 9 bis 11 Tage andauerten1. Bei wöchentlicher oder zweiwöchentlicher wiederholter Dosierung scheinen die IGF-1-Spiegel mit einem kumulativen Effekt über die Injektionen hinweg bis zu 28 Tage oberhalb des Ausgangswerts erhöht zu bleiben1. Diese GH- und IGF-1-Effekte wurden in unabhängigen Humanstudien repliziert1,3,11 und liefern konsistente pharmakodynamische Evidenz.
Ein mechanistisch bedeutsamer Befund ist, dass CJC-1295 die natürliche pulsatile GH-Sekretion offenbar bewahrt und dabei die Talspiegel (interpulsatile GH-Konzentration) erhöht – ein Muster, das sich von der exogenen GH-Gabe unterscheidet3,11. Der 7,5-fache Anstieg der interpulsatilen GH-Spiegel und der 46%ige Anstieg der mittleren GH-Spiegel eine Woche nach der Injektion3 sind mit diesem Mechanismus vereinbar.
In Tiermodellen normalisierte einmal tägliches CJC-1295 das Körpergewicht, die Körperlänge und die Knochenlänge bei GHRH-defizienten Mäusen vollständig, während bei weniger häufigen Dosierungsintervallen nur eine teilweise Normalisierung beobachtet wurde4. Serumproteomische Analysen bei humanen Probanden haben nachgelagerte Veränderungen bei Apolipoprotein A1, Transthyretin und Immunglobulin-/Albuminfragmentspiegeln nach CJC-1295-Gabe identifiziert, was auf breite, durch die GH/IGF-1-Achse vermittelte systemische Effekte hindeutet7.
Für spezifische klinische Indikationen – einschließlich Verbesserung der Körperzusammensetzung, HIV-assoziierter viszeraler Adipositas oder Anti-Aging-Anwendungen – werden Humanwirksamkeitsdaten aktiv erhoben, wobei frühe Studien registriert, aber Ergebnisse noch nicht veröffentlicht wurden2.
§05Sicherheit
In publizierten Humanstudien wurde CJC-1295 als sicher und vergleichsweise gut verträglich beschrieben, insbesondere bei Dosen von 30 oder 60 mcg/kg subkutan1. In den kontrollierten pharmakokinetischen Humanstudien wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet1. Diese Studien waren jedoch von kurzer Dauer und begrenztem Stichprobenumfang, sodass die Charakterisierung der Verträglichkeit eine frühphasige, zeitlich begrenzte Beobachtung und keine umfassende Langzeitüberwachung widerspiegelt.
In Tierversuchen erschien CJC-1295 über alle getesteten Dosierungsintervalle bei Mäusen gut verträglich, ohne Berichte über unerwünschte Ereignisse4. Ein bemerkenswerter präklinischer Befund ist, dass die tägliche CJC-1295-Gabe eine Somatotrophen-Zellproliferation bei GHRH-Knockout-Mäusen stimulierte, belegt durch erhöhte hypophysäre GH-mRNA4 – eine biologische Beobachtung, die laufende und zukünftige Forschung im Kontext der Langzeitanwendung beim Menschen weiter einordnen wird.
Die anhaltende Erhöhung von GH- und IGF-1-Spiegeln – insbesondere die kumulativen IGF-1-Anstiege bei wöchentlicher oder zweiwöchentlicher wiederholter Dosierung1 – ist ein aktives physiologisches Forschungsgebiet. Eine umfassendere Übersicht zu GHRH-Analoga und verwandten Peptiden im sportlichen und ästhetischen Kontext hat theoretische Bedenken hinsichtlich kardiovaskulärer Belastung, Insulinresistenz und Dyslipidämie als untersuchungswürdige Bereiche identifiziert, obwohl diese in CJC-1295-spezifischen klinischen Studien nicht formal quantifiziert wurden9.
Ein bedeutsames Sicherheitsrisiko im Praxiskontext ist die weit verbreitete Verfügbarkeit von CJC-1295 über unregulierte Schwarzmarktkanäle14,15,16, wo Produktidentität, Reinheit und Dosierung nicht verifiziert sind. Nutzer in Online-Communitys haben Berichte über Produkte veröffentlicht, die nicht wie erwartet wirkten, sowie Bedenken über substituierte oder kontaminierte Zubereitungen geäußert10.
Für CJC-1295 wurden in Peer-reviewed-Humanstudien keine Arzneimittelwechselwirkungsdaten, Kontraindikationsprofile oder Langzeitsicherheitsbeurteilungen des endokrinen Systems veröffentlicht.
§06Geschichte
CJC-1295 wurde von ConjuChem Biotechnologies, einem kanadischen biopharmazeutischen Unternehmen, als Teil einer Drug-Affinity-Complex-(DAC-)Technologieplattform entwickelt, die auf die Verlängerung der Halbwertszeit therapeutischer Peptide durch In-vivo-Albumin-Konjugation ausgelegt war. Die grundlegende Chemie wurde in den frühen 2000er-Jahren etabliert, wobei 2005 eine wegweisende mechanistische Arbeit veröffentlicht wurde, die CJC-1295 – formal als tetrasubstituiertes hGRF(1-29)-Analogon mit einem C-terminalen Maleimidopropionamid-Lysin bezeichnet – als führende langwirksame GHRH-Verbindung identifizierte6. Diese Arbeit zeigte, dass die subkutane Injektion zur spontanen kovalenten Bindung an Cys34 des Serumalbumins führt und einen zirkulierenden Biokonjugat mit GH-stimulierender Aktivität von mehr als 72 Stunden bei Ratten ergibt6.
Die erste große klinische Pharmakokinetik-Studie am Menschen wurde im Dezember 2005 veröffentlicht und bestätigte eine Halbwertszeit von 5,8–8,1 Tagen sowie die Fähigkeit, bei gesunden Erwachsenen eine anhaltende, dosisabhängige GH- und IGF-1-Erhöhung zu erzeugen1. Eine ergänzende Studie aus dem Jahr 2006 bestätigte die Beibehaltung der pulsatilen GH-Sekretion während der kontinuierlichen CJC-1295-Exposition3. ConjuChem registrierte um 2005 eine randomisierte kontrollierte Phase-2-Studie bei HIV-assoziierter viszeraler Adipositas2, die das fortgeschrittenste therapeutische Entwicklungsprogramm des Präparats darstellte; Ergebnisse dieser Studie wurden in der Peer-reviewed-Literatur nicht veröffentlicht.
Trotz fehlender Zulassung oder abgeschlossener Phase-2–3-Wirksamkeitsstudien tauchte CJC-1295 Ende der 2000er-Jahre auf illegalen Drogenmärkten auf. Norwegische Behörden reichten 2009 eine beschlagnahmte Zubereitung zur forensischen Identifizierung ein14, und forensische Überwachungsstudien dokumentierten in den 2010er-Jahren seine weltweite Verbreitung in der Bodybuilding- und Leistungssteigerungs-Gemeinschaft15,16. Die WADA klassifizierte CJC-1295 als verbotene Substanz unter Abschnitt S2 ihrer Verbotsliste14, was zur Entwicklung zunehmend ausgefeilter Nachweismethoden führte5,8,12. Das Forschungsinteresse an Antidoping-Nachweisen und realen Anwendungsmustern setzte sich bis in die 2020er-Jahre fort9,10.
§07Quellen
- [1]Prolonged stimulation of growth hormone (GH) and insulin-like growth factor I secretion by CJC-1295, a long-acting analog of GH-releasing hormone, in healthy adultsTeichman SL; Neale A; Lawrence B; Gagnon C; Castaigne JP; Frohman LA · The Journal of clinical endocrinology and metabolism · 2005 ↗
- [2]A Multicenter, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Phase 2 Study to Evaluate the Efficacy and Safety of CJC 1295 Administered for 12 Weeks in HIV Infected Patients With HIV Associated Visceral ObesityClinicalTrials.gov — ConjuChem · 2005 ↗
- [3]Pulsatile secretion of growth hormone (GH) persists during continuous stimulation by CJC-1295, a long-acting GH-releasing hormone analogIonescu M; Frohman LA · The Journal of clinical endocrinology and metabolism · 2006 ↗
- [4]Once-daily administration of CJC-1295, a long-acting growth hormone-releasing hormone (GHRH) analog, normalizes growth in the GHRH knockout mouseAlba M; Fintini D; Sagazio A; Lawrence B; Castaigne JP; Frohman LA; Salvatori R · American journal of physiology. Endocrinology and metabolism · 2006 ↗
- [5]An immuno polymerase chain reaction screen for the detection of CJC-1295 and other growth-hormone-releasing hormone analogs in equine plasmaTimms M; Ganio K; Forbes G; Bailey S; Steel R · Drug testing and analysis · 2018 ↗
- [6]Human growth hormone-releasing factor (hGRF)1-29-albumin bioconjugates activate the GRF receptor on the anterior pituitary in rats: identification of CJC-1295 as a long-lasting GRF analogJetté L; Léger R; Thibaudeau K; Benquet C; Robitaille M; Pellerin I; Paradis V; van Wyk P; Pham K; Bridon DP · Endocrinology · 2005 ↗
- [7]Activation of the GH/IGF-1 axis by CJC-1295, a long-acting GHRH analog, results in serum protein profile changes in normal adult subjectsSackmann-Sala L; Ding J; Frohman LA; Kopchick JJ · Growth hormone & IGF research : official journal of the Growth Hormone Research Society and the International IGF Research Society · 2009 ↗
- [8]A method for confirming CJC-1295 abuse in equine plasma samples by LC-MS/MSTimms M; Ganio K; Steel R · Drug testing and analysis · 2019 ↗
- [9]A new era of doping? Use of peptide and peptide-analog drugs in recreational and professional sport and bodybuilding: a critical reviewCoutinho LFD; DE Oliveira Neves LF; Camilo RP · The Journal of sports medicine and physical fitness · 2026 ↗
- [10]Novel wellbeing and repair peptide use in the UK: Netnographic findingsLuke A. Turnock; Evelyn Hearne · Performance Enhancement & Health · 2024 ↗
- [11]The Discovery of Growth Hormone‐Releasing Hormone<sup>1</sup>: An UpdateMichael O. Thorner · Journal of Neuroendocrinology · 2008 ↗
- [12]Development of smart samplers and their comparison to dried serum spots for the analysis of growth hormone releasing hormone analogs using LC HRMS/MSChristina Johannsen; Anna Kha Tu Nguyen; Sasha Shabani; Inger Oulie; Siri Dørum; Yvette Dehnes; Léon Reubsaet; Trine Grønhaug Halvorsen · Advances in Sample Preparation · 2025 ↗
- [14]Identification of CJC-1295, a growth-hormone-releasing peptide, in an unknown pharmaceutical preparationHenninge J; Pepaj M; Hullstein I; Hemmersbach P · Drug testing and analysis · 2010 ↗
- [15]Netnography of Female Use of the Synthetic Growth Hormone CJC-1295: Pulses and PotionsVan Hout MC; Hearne E · Substance use & misuse · 2016 ↗
- [16]Synthetic growth hormone releasers detected in seized drugs: new trends in the use of drugs for performance enhancementAllan Stensballe; Jim McVeigh; Torben Breindahl; Andreas Kimergård · Addiction · 2015 ↗